Warum unser Zweithund wieder bzw. noch ein Kampfschmuser sein musste?!

Wie andere Leute für Pudel, Schäferhunde, Dackel oder gar englische Bulldoggen, chinesische Nackthunde, Old English Mastiffs etc. schwärmen - hatte ich mein Herz mit der Zeit eben ganz speziell an diese fantastischen Hunde verloren, ohne Wenn und Aber!
(siehe dazu bitte auch folgende Ausführung "Kann denn Liebe Sünde sein..." von Y. Kraft, die mir damit 100%ig aus der Seele spricht ->
 http://www.heartandsoul.de/liebe.htm)

Nach einigen Kontakten zu Züchtern dieser Rassen, fiel unsere Wahl schließlich auf einen kleinen Miniature-Bullterrier Rüden von der Zuchtstätte 'Mc Kilroy' aus Essen.
Weil unser Stafford-Mädel ja auch von dem kleinen Zwerg angetan sein sollte, besuchten wir den kleinen Chuckie, welcher wegen Scheidung wieder zu seinen Züchtern zurückgekommen war, noch zweimal bevor wir uns ganz sicher waren und ihn mit nach Hause genommen haben.
Und somit war unsere kleine Familie mit dem 4 1/2 monatigen MiniBulli Chuckie im Januar 1998 wieder komplett!

Chuckie hat unserer Bonny wieder die Sicherheit gegeben die sie benötigte, wenn ihre Menschen außer Haus waren ... und draußen fühlte sich der kleine Chuckie in Anwesenheit seiner 'großen Schwester' gleich zwei Köpfe größer.
Unser kleiner Prinz ist nämlich alles andere als mutig, aber mit der Gewissheit (besser gesagt mit dem Glauben) eine Beschützerin an seiner Seite zu haben, teilte er sich anfangs auf Spaziergängen schon mal lautstark den entgegen-kommenden Hunden mit - das war schon recht nervig und somit habe ich so lange daran rumgefeilt, bis unser MiniBulli begriffen hatte, was ich von ihm wollte bzw. nicht wollte.

Mit seiner Liebenswürdigkeit zieht unser MiniBulli jeden, wirklich jeden der die Möglichkeit hat ihn näher kennen zu lernen, in seinen Bann und wickelt diesen um seinen Finger um letztendlich zu bekommen was er will:
...eine große Runde SCHMUSEeinheiten;-)
Wir nennen ihn auch unseren "Freigeist" - denn ein "Chuckie" braucht nur das zu tun, was ihm gefällt und wird trotzdem von seinen Menschen über alles geliebt! Wenn er nicht ständig diesen Unschuldsblick aufsetzen würde, könnte man sich vielleicht manchmal ein wenig mehr durchsetzen.
Aber was soll's: Chuckie hat auch nur ein Leben!

Der Hund an sich, aber besonders der Welpe braucht viel Schlaf. Hierfür sollte man dem Vierbeiner ein schönes Körbchen etc. anbieten...
Cuckie war von seinen Züchtern bereits an eine Kennelbox gewöhnt – was lag also näher, als den jungen Hund nach dem morgendlichen Spaziergang und seiner Bananenquark-Mittagsmahlzeit, zum Schläfchen in seine geräumige Box (in der selbst unsere Staffordhündin bequem liegen konnte) zu legen und sich mit dem erwachsenen Hund ins Wohnzimmer zu begeben, damit Klein-Chuckie in Ruhe 'Heiabubu' machen konnte?!
Die Rechnung ging jedoch ohne unseren MiniBulli auf – Ich habe es vier Tage hintereinander versucht und mich dann schließlich dem Dickkopf dieses Hundes gebeugt... dieses Gejammer und Gerappel an der Gittertür war ja nicht auszuhalten und siehe da, kaum wurde die Tür seiner Box geöffnet lief er schnurstracks ins Wohnzimmer und als ich ebenfalls zurück im Wohnzimmer angelangt war, lag der kleine Prinz bereits zufrieden schlummernd neben Bonny auf der Couch;-)
(Heute steht die Kennelbox im Keller und wurde, wie bei unserer Bonny, gegen ein gemütliches BIA-Hundebett ausgetauscht. Selbstverständlich sind die beiden vierbeinigen Herrschaften auch mal in dem ganz großen Hundekörbchen anzustreffen, welches eigentlich für uns Menschen vorgesehen ist – Solange im Großen und Ganzen der Mensch das Sagen hat bzw. das Rudel anführt, spricht auch nichts gegen eine erhöhte Liegeposition seiner Vierbeiner und mal ganz ehrlich – welcher Kampfschmuser weiß nicht  die Gemütlichkeit eines Bettes zu schätzen?!)

Des Weiteren war Chuckie jahrelang ein kleiner Futtermäkler!
Von Anfang an setzte er auch diesbezüglich seinen Kopf durch und nach  konsequentem Futterentzug bzw. immer wieder Vorsetzen seines Trocken-futters fraß er bis auf Mittags seine ‚Babymahlzeit‘ Bananenquark NICHTS – es sei denn man mischte dem kleinen Herrn 'von und zu....' irgendwelche Leckereien unter sein Trockenfutter und das hatte sich viele Jahre nicht geändert – egal um welche Premium Sorte Hundefutter es sich auch handelte;-)

Dafür ist er absolut verträglich mit allen Hunden die uns begegnen. Egal, ob er angeleint ist oder frei herumläuft. Er hat auch ein Gespür dafür, ob ihm ein Hund wohlgesonnen ist oder nicht – ist letzteres der Fall, macht er kurz vor demjenigen kehrt und läuft schwanzwedelnd mit gebührendem Abstand kess an dem Rüpel vorbei;-)

Als ich dann später Chuckie ebenfalls mit zum Hundeplatz nahm, führte er mich oder meinen Freund auch dort regelmäßig vor und war die Attraktion schlechthin –
z.B. bildeten wir mal wieder eine Gasse, bei der rechts und links jeweils die anderen Hundeführer nebst ihren Hunden standen und Chuckie war an der Reihe...
Wie sollte es anders sein: Ich ließ Chuckie am oberen Ende der Gasse mittig Platz machen, marschierte durch die Gasse und am Ende angekommen, drehte ich mich um, um meinen Hund zu mir zu rufen.
Bis dahin klappte auch noch alles, Chuckie erhob sich aus seiner Platzposition und setzte sich in Bewegung um zu seinem Frauchen zu gelangen... nur eben nicht durch die Gasse, sondern außen herum!
Das Gelächter hatte Chuckie wieder mal auf seiner Seite, aber wie konnte ich auch nur von meinem MiniBulli verlangen, dass er DURCH diese gefährliche Mensch-Hunde-Gasse gehen sollte;-)

... oder bei der Übung ‚Platz mit Reinrufen‘: Entweder sah Chuckie nicht ein, wieso er schon wieder aufstehen sollte, wo er sich doch gerade erst so brav hingelegt hatte... oder er kam sofort beim ersten Rufen auf mich zugelaufen, blieb jedoch auf der Hälfte des Weges abrupt stehen, um sich erst einmal ausgiebig zu SCHÜTTELN, bevor er brav den Weg zu seinem Frauchen fortsetzte;-)

... und trotzdem hat auch Chuckie mit Erfolg die GBF-VÜ bestanden!

So lange er ein wenig hört und sich weiterhin (insbesondere außer Haus) so gut benimmt, soll er auch seinen kleinen Dickkopf behalten!

Chuckie hatte keinen Spaß an der Unterordnung auf dem Hundeplatz und ob man es glaubt oder nicht, auf den Spaziergängen kam Chuckie des öfteren ganz von alleine zu mir und signalisierte mir dann: Komm Ute, ich zeig dir was ich kann... und dann klappte alles wie am Schnürrchen (nur eben ohne Zuschauer oder im engsten Freundeskreis)!

Übrigens zählt Chuckie nicht grad zu den 'größten Spaziergängern' und ich bin der Meinung, er wäre viel lieber eine Wohnungskatze geworden – "schnurren" kann er zumindest schon;-)
Spaziergänge sind für Chuckie ein notwendiges Übel und müssten aus Tierschutzgründen untersagt werden;-) ...Aber nein, Frauchen zerrt den armen Hund zweimal täglich mindestens eine Stunde nach draußen, damit die Wuffs Bewegung bekommen – Hilfe er will nicht!
Man hat es wirklich nicht leicht mit einem kranken, aber bewegungsfreudigem AmStaff und einem (zumindest knochenmäßig) gesunden MiniBulli spazieren zu gehen.
Manch einer weiß mit Sicherheit wie stur so ein Bullterrier sein kann und in diesem Fall bin ich froh, das Chuckie lediglich ein Miniatur Bullterrier ist – denn wenn es ganz dicke kommt, pack ich mir den Zwerg einfach unterm Arm und Ende der Diskussion...
Chuckie ist der Meinung, raus muß man zwangsweise lediglich um seine kleinen und großen Geschäfte zu verrichten bzw. mal dem ein oder anderen Hund ‚Hallo‘ zu sagen, aber ansonsten kann man auch ganz prima in der Wohnung spielen, zumal man dort auch vor Wind, Regen, Schnee, kalter oder warmer Witterung geschützt ist (meint Chuckie) – vor allen Dingen ist es geil (in Cuckie’s Augen wohlgemerkt), wenn Bulli seine „dollen 5-Minuten“ hat und man u.a. durch gemachte Betten toben kann so daß die Wände wackeln;-)

Ja, so ist er unser kleiner Schelm und - wir lieben diesen kleinen 'Nervtöter'!

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Leider
ist unser kleiner Chuckie im Sommer 2003 ebenfalls sehr krank geworden und muß seitdem täglich Tabletten nehmen – er leidet unter einem genetisch bedingtem Zwangsdefekt, welcher sich bei ihm in ständigem 'im Kreis drehen‘ äußerte.
Ein versuchsweises, langsames Ausschleichen der Medikamente, nach einem Jahr, führte leider sofort wieder zu einem Rückfall...
Ich habe mich mit dieser Krankheit intensiv beschäftigt und auch die Ärzte aus der Tierklinik Bonn, in welcher Chuckie 2003 für eine Woche stationär aufgenommen worden war, sind sich in dieser Sache sicher und konnten nach den Untersuchungen eine andere Erkrankung ausschliessen.
Es handelt sich dabei zwar um eine recht selten auftretende Krankheit, die sich in verschiedene Zwangshandlungen bei befallenen Hunden äußern kann(s.u.), aber unser Schatz wurde davon leider nicht verschont und wir müssen nun mit der Gewissheit leben, einen zweiten kranken Hund zu haben...
Ich möchte die anderen Miniatur- bzw. Standard-Bullterrier Besitzer, Liebhaber dieser Rasse oder zukünftige Besitzer dieser Hunde nicht beunruhigen und ihnen für die Entscheidung zu solch einer fantastischen Rasse gratulieren, sollte aber jemand Fragen zu diesem Thema haben, kann er sich gerne an mich wenden – Die beste Krankheit ist es nicht wert verschwiegen zu werden und deswegen erwähne ich dies auch auf meiner Seite.
Eine sehr interessante engl. Seite zu diesem Thema findet ihr auch hier:
Bull Terrier Neurological Disorder Resources

>>>Stereotypien und Zwangsverhalten:
Eine stereotype Handlung ist in der Regel als Verhaltensstörung anzusehen, da sie normale Verhaltensabläufe beeinträchtigt oder komplett unmöglich macht. Das Tier zeigt gleichförmige bis ritualisierte Bewegungen bis hin zur körperlichen Erschöpfung ohne Sinn und Zusammenhang zu Umwelteinflüssen.
Einige Zwangsverhalten(Opsessive Compulsive Disorder (OCD)) entsprechen der Definition für Stereotypie (Akrale Leckdermatitis =Leckzwang, Schwanzjagen/Kreiseln), während andere, wie still stehen (Erstarren) oder vor sich hin starren keinen repititiven / ritualisierten Charakter aufweisen.


weitere Zwangsverhaltensweisen:
Bellen, Fliegenschnappen, Kratzen, Kopfschütteln, Jagen und/oder Bewachen eingebildeter Objekte, Flankensaugen(insb. Dobermann), zwanghaftes Hin- und Herlaufen, Automutilation, Haar- oder Luftbeißen, Pica (Aufnahme von ungeeigneten Gegenständen und Substanzen), Drangwandern oder Kreiseln ("Spinning"), einige Aggressionsformen, selbstgerichtetes Vokalisieren und Textiliensaugen oder –kauen.

Stereotypien und Zwangsverhalten können in Perioden von unterschiedlicher Zeit und Intensität auftreten, wobei der jeweilige Schweregrad (I-III) nach folgenden Kriterien eingeordnet wird: Dauer, Unterbrechbarkeit, Schlafrhythmus, Schlafdauer und Lernfähigkeit.

Charakteristika des Problems:
Wichtige Faktoren bei der Entstehung von Stereotypien / OCD sind die genetische Veranlagung, hirnorganische Störungen und der Einfluss und Zusammenhang von Stress und Konflikt - Langeweile, Unter-/Überforderung, Isolation(Ein- bzw. Wegsperren des Hundes)...

In den meisten Fällen handelt es sich lediglich um ein erlerntes (Ersatz-)Verhalten und seltener um einen Gendefekt, wie bei unserem "Chuckie" – Nur ausschliessen sollte man es nie, vor allen Dingen, wenn bisherige (Beschäftigungs-) Therapien, Alltagsumstellungen; artgemäße Unterbringung, Futterwechsel(Diät) etc. erfolglos geblieben sind!<<<

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Im Augenblick gibt es keine Möglichkeit festzustellen, wie weit die OCD bereits fortgeschritten ist, wenn sie diagnostiziert wird. Frühe Anzeichen könnten unbemerkt bleiben (OVERALL ET AL., 2002). OCD ist multifaktoriell und weist sowohl genetische als auch sporadische Formen auf. OVERALL ET AL. (2002) nennen folgende Rassen, bei denen OCD familiär gehäuft auftritt: Deutsche Dogge, Deutsch Kurzhaar, Deutscher Schäferhund, Bullterrier, Jack Russell Terrier, Dalmatiner, Bouvier de Flander, Saluki, Cairn Terrier, Basset und Soft Coated Wheaten Terrier. Durch die enge Korrelation zwischen Hunderassen und verschiedenen Formen der OCD, die in dieser Studie entdeckt wurde, vermuten OVERALL ET AL. (2002), dass eine genetische Basis für OCD besteht.<--